Sonntag, 7. August 2016

Am Lagerfeuer mit Juliano Rossi


Es gibt diese Konzerte, die nicht nur exzellente Musiker zeigen, die herausragende Musik zu Gehör bringen, sondern auch eine Lagerfeueratmosphäre erzeugen. Damit ist gemeint, dass das Publikum gar nicht erst aufgefordert werden muss, mit zu singen, sondern gleich alle Refrains und einige sogar Text sicher ganze Lieder mitsingen.

Jetzt wird vermutlich entgegnet, dass dies doch bei Konzerten vieler Popstars üblich ist. Nein ich meine nicht ein Mitsingen gegen eine Wand von Lautsprechern, sondern ein Mitsingen, wo klar die Stimmen aus dem Publikum zu hören sind und die Mitsingenden nicht mitgröhlen, sondern wirklich am Gesang interessiert sind.

Ich hatte heute Abend das Glück, mal wieder Juliano Rossi zusammen mit drei Begleitmusikern (natürlich Lutz Krajenski, Piano+Gesang, Hervé Jeanne, Kontrabass und Christian Schoenefeldt, Schlagzeug) zu erleben. Oliver Perau spielt in seinem Alter Ego Juliano Rossi einen Entertainer im Stil eines Crooners und Jazzsängers. Selbst die eigenen Kompositionen von Perau/Krajenski sind hier in Hannover so bekannt, dass einige im Publikum Mitsingen, doch wenn dann ein Stück gespielt, dass vom vom Rat Pack eingespielt wurde, dann ist der vielstimmige Gesang zu hören. Ähnliches gilt für Klassiker wie "Leaving on a Jet Plan", "Ride Like the Wind".

Es klingt schön und oftmals konnte ich auch mitsingen. Ach, es hat Spaß gemacht und ich habe viele glückliche Menschen um mich herum gesehen

Juliano Rossi auf der Maschseebühne (betreut vom Pavillon mit exzellentem Klang) beim Maschseefest (7. August 2016)

Samstag, 6. August 2016

Film STAR TREK Beyond

(In Hannover verwendetes Filmposter)
STAR TREK Beyond
(USA 2016, 123 Minuten)
Regie: Justin Lin

STAR TREK Beyond zeigt etwas Ungewöhnliches. Tempowechsel in der Handlung, die an eine Symphonie erinnern, werden von entsprechenden Wechseln in der scheinbaren Geschwindigkeit der Aufnahmen und der Frequenz der Schnitte komplettiert. Der Film erzeugt damit Emotionen. Die Langeweile nach drei von fünf Jahren im Weltall wird in ruhigen, langen Szenen gezeigt, in denen die Schönheit und die Liebe zum Detail in der Ausstattung genossen werden kann. Wenn dann Aggression, Angst und Kampf dominieren, spiegelt sich das in einem Crescendo.

Eine gigantische Raumstation steht für eine dekadente Welt der schön gekleideten Menschen, die der Mannschaft der Enterprise Entspannung und Ruhe von ihren Abenteuern als Forscher im Unbekannten verspricht. Das hier viel später Kampfszenen stattfinden, in denen rasante Bewegungen eine Zerstörung erwarten lassen, ist auch so ein Spiel mit Bildern und Geschwindigkeit. Hier gibt es auch eine schwebende Kampfszene, in der die Geschwindigkeit immer wieder wechselt.

Wenn bei einem Unterhaltungsfilm an der falschen Stelle gespart wird, dann kann dieser Film anstrengend sein. Beyond in 3D ist hierfür ein weiteres Beispiel. Peter Jackson hat vorgeführt (Hobbit - - 3 ), dass HFR die Lösung für schnelle Szenen in einer 3D-Darstellung ist. Sehr schnelle Szenen können bereits in der flachen Welt verwischen, doch in in 3D bleiben von solchen Szenen nur die Teile von Sekunden, in denen etwas verlangsamt. Die Kampfszenen im Film, und davon gibt es viele, sind unansehnlich und für die Augen anstrengend. Die dritte Dimension ist der Raum und der Weltraum bietet unendliche Möglichkeiten für visuelle Überwältigung. Das Potential war auch den Produzenten dieses Film bekannt, wie leider erst im Abspann zu sehen ist. Dort finden sich phantastische Blicke auf Galaxien, Sonnen und Planeten.
3D wird in Beyond viel zu oft verschenkt, in 2D ist der Film sicherlich besser. The Martian hat gezeigt, dass 3D die adäquate Darstellung für einen Science Fiction ist.

Musik kann die Emotionen verstärken, sei es nun die Filmmusik oder einzelne Songs, die eine Szene begleiten. Die klassische Musik aus den 1990-er Jahren der USA ist ein wunderbarer Scherz und es ist erfreulich, dass dieses Stück nicht nur angespielt wird.

Eine Schwäche liegt in einigen Dialogen und es gibt viele Gesprächssituationen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Simon Pegg (Drehbuch und "Scotty") so schlechte Dialoge schreibt, also lag es vielleicht an der Synchronisation ins Deutsche. Zu Beginn der dritten Spielwoche wurde die Originalversion in Hannover nicht mehr gezeigt. Dennoch gibt es viele schöne Dialoge, die manchmal ins Philosophische tendieren ohne lächerlich zu sein.

Eine andere Schwäche liegt in manchen Handlungssträngen, die nicht mit vorherigen Szenen kommunizieren. Liegt es daran, dass diesmal nicht J.J. Abrams die Regie führte, wie bei Star Trek und Star Trek Into Darkness?
Der Film ist wie eigentlich alle großen US-Produktionen eine Freude und manchmal auch ein Ärgernis für die Vielzahl von Zitaten. Natürlich wird auf frühere Star Trek-Filme verwiesen, doch es werden auch Sequenzen aus Matrix oder Interstellar zitiert. Der Versuch diese Szenen zu überbieten wirkt bemüht.

Star Trek ist ein unterhaltsamer Film, bekommt aber nur 6-7 von 10 möglichen Punkte auf meiner Filmbewertungsskala.

Dienstag, 2. August 2016

Zitat Trojanow Bahnschwimmen

Es gibt nur sehr eingeschränkte Zeiten, in denen Bahnschwimmen möglich, denn wie Ilija Trojanow so schön formuliert:
"Die so friedlich wirkenden Schwimmbäder sind in Wirklichkeit Kampfzonen. (...) Es gibt eine Etikette, aber die einen kennen sie nicht, die halten halten sie nicht ein. Selbst wer sich umsichtig benimmt, provoziert gelegentlich aggressive Reaktionen."
Ilija Trojanow (2016) Meine Olympiade. Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen, S. 44
Im Lister Bad ist es relativ stressfrei zwischen den Berufstätigen (bis etwa 8 Uhr) und den Rentnern (ab etwa 9 Uhr).

Sonntag, 10. Juli 2016

Männerfüße in Sandalen

Ein bemerkenswerter Widerspruch.
Die Göttin der Mode hat Männer verboten, Sandalen zu tragen. Egal ob billige Flip-Flops, oder Marken wie Birkenstock oder Dockers, in den vergangenen Sommerwochen fiel mir in der Bahn oder bei Spaziergängen auf, dass nur sehr selten die Füße einer Mannes in offenen Schuhen zu sehen waren. Gleichzeitig erlebte ich auch merkwürdige Blicke auf meine Füße. Einerseits!
Andererseits sollte ich aktuell für einen niederländischen Verwandten eine spezielle Sandale von Birkenstock kaufen, die er bei sich Zuhause nicht bestellen konnte, obwohl Webseiten das Produkt zeigten. Ich suche die drei mir bekannten Schuhgeschäfte auf, die sich auf Birkenstock spezialisiert haben, und fragte nach dem Modell. "Das hätten wir gerne im Laden, es haben schon andere nach dieser Sandale gefragt", war die Reaktion im ersten Laden. Drei Läden später wusste ich, dass das Modell ausverkauft ist und die Geschäfte seit mehr als einem Jahr Probleme haben, bestimmte theoretische Angebote auch real anzubieten. In einem Laden wurde mir gesagt, dass die Bestellfunktion auf deren Webseite ausgestellt wurde, um die zunehmenden Frustrationen von potentiellen Kunden zu vermeiden.
Mir wurde gesagt, dass die Marke mal wieder modern bei jungen Menschen ist. Angesprochen auf meine Beobachtung aus Hannover, hieß es nur "Hannover ist stets ein wenig spät dran, wenn es um eine Mode geht".
(Ausschnitt aus dem Werbefoto für die Kommunalwahl 2016, wo ich bei den Aufnahmen durch meine Sandalen auffiel)
Nachtrag Ende Juli 2016: Bei der Critical Mass Hannover sah ich vier Männer mit nackten Füßen in Sandalen. Ich bin nicht allein!

Ignoranz und Klimaskeptiker

Der kurze Aufreger:
Der Klimawandel (global, kontinental und auch regional) ist ein Fakt, doch gibt es Menschen, die den menschlichen Einfluss auf die Veränderungen der globalen Temperatur und den Wettersystemen bezweifeln.
Ignoranz hat in stets zwei Elemente:
  1. Das Unwissen
  2. Das nicht wissen wollen
Es ist sooooo langweilig, wenn behauptet wird, dass es in der Wissenschaft keinen Konsens über den menschlichen Einfluss am Klimawandel gibt. Es gibt den Konsens und wenn eine Soziologin oder ein Ethnologe dies bestreitet, dann sind sie vielleicht anerkannte Wissenschaftler in ihrer Disziplin, haben aber keine Ahnung von Klimatologie.
Ich könnte Verknüpfungen zu den Klimaskeptikern einfügen, verzichte aber bewusst darauf, da ich diese Menschen und ihre Positionen nicht noch weiter aufwerten möchte.
Aktualisierte Graphik bis Juni 2016. Als der 5-Jahres-Durchschnittswert von 2006 bis 2013 nicht nur in Hannover fiel, sahen Klimaskeptiker schon das Ende der Erwärmung.

Donnerstag, 7. Juli 2016

Klimawandel und Klimanormalwert CLINO

Die Klimatologie und Meteorologie hat für ihre Wetterstationen langjährige Mittelwerte der jeweiligen Messwerte. Langjährige heißt in diesem Fall 30 Jahre, dies ist die international definierte Periode für Angaben, die sich in Klimadiagrammen finden.
Wenn in den Medien zu hören oder lesen ist, dass ein Monat wärmer/kälter, trockner/nasser, trüber/sonniger war, sollte stets die Referenzperiode beachtet werden. International wird die Klimanormalperiode 1961-1990 (V. CLINO) als Grundlage für klimatische Vergleiche gewählt. Seitdem gibt es zwei weitere Perioden (1971-2000 und 1981-2010).
In meinen Wetterberichten für Hannover verwende ich stets die CLINO-Periode 1961-1990. Es erscheint mir problematisch, dass in der Darstellung vieler Medien als Referenz die Jahre 1981-2010 verwendet werden. Der Klimawandel ist seit den späten 1980-er Jahren signifikant. Jeder Vergleich des aktuellen Wetters mit einer jüngeren Periode rechnet die Abweichung (=Klimawandel) herunter (ein Beispiel aus der Wikipedia).

Zu sehen ist die Veränderung des langjährigen Mittelwerts für drei CLINO-Perioden für den Monat April. Die durchschnittliche Monatstemperatur ist von 7,8° (1961-1990) auf 8,9° (1981-2010) gestiegen. Die durchschnittliche Zahl der Sonnenstunden stieg parallel von 150,2 (1961-1990) auf 166,2 (1981-2010).

Der durchschnittliche monatliche Niederschlag hat deutlich abgenommen, von 49,5 (1961-1990) auf 39,6 mm (1981-2010).

Hier im Blog habe ich ausgeführt, dass der April der signifikante Monat für den regionalen Klimawandel in der Region Hannover ist. Er ist gleichzeitig signifikant wärmer, trockener und sonniger, als der CLINO 1961-1990. Wenn der April 2016 mit dieser Referenz verglichen wird, war der Monat zu warm, zu trocken und ein wenig zu sonnig.

Hier nun im Vergleich, wie sich die drei Messwerte verändern, wenn die verschiedenen CLINO-Perioden angewendet werden.


Von einem leicht zu warmen Monat (+0,7°) wandelt sich der April 2016 durch andere Referenzwerte in einem leicht zu kühlen Monat (-0,4°).


Von einem deutlich zu trockenen Monat (66%) wandelt sich der April 2016 in einen "normalen" Monat (82%).


Die Sonnenscheindauer im April 2016 reduziert sich von 112% des langjährigen Mittels (1961-1990) auf 101% (1981-2010).

Wenn am Ende eines Monats oder Jahres in den Medien eine Aussage zum abgelaufenen Zeitraum gemacht, sollte stets die Klimareferenz hinterfragt werden.

Dienstag, 5. Juli 2016

Hannover Wetter Juni 2016



Juni 2016 ist der 8. Monat in Folge, der zu warm ist im Vergleich mit dem langjährigen Vergleichswert der Jahre 1961-1990 (Klimanormalwert / CLINO). Die Monatsdurchschnittstemperatur betrug 17,7° und lag damit 1,9° über dem CLINO-Wert. Die Sonnenstunden waren trotz der vielen Regentage nur leicht unterdurchschnittlich, jedoch fiel extrem viel Niederschlag.

Dargestellt sind die täglichen Messwerte der Wetterstation Hannover-Langenhagen des Deutschen Wetterdienstes. Der DWD stellt diese Werte kostenfrei zur Verfügung. Auf der linken Skala können die höchste und tiefste Temperatur und auf der rechten Skala die Sonnenstunden und der Niederschlag in mm (=Liter/m²) abgelesen werden.
Der Frühsommer 2016 ist von Unwetter geprägt. Starkregen Ende Mai und am 1. Juni und wieder am 25. Juni. Die Monatsmitte war geprägt von niedrigen Luftdruck, kühlen Tagen mit wenig Sonnenschein und viel Niederschlag. Die höchste Temperatur wurde am 23. Juni mit 32,4° erreicht, der erste Tropentag des Jahres. Es gab insgesamt 8 Sommertage. Im langjährigen Mittel wurde bisher jedes 2. Jahr ein Tropentag und jedes Jahr im Juni 6 Sommertage registriert. Die tiefste Temperatur wurde am 10. Juni mit 8,4° erreicht. Es gab kein Bodenfrost.

Aus den stündlichen Messwerten berechnet der DWD die Tagesmitteltemperatur.

Deutlich ist die fast zwei währende kühle Phase in der Monatsmitte zu erkennen. Der wärmste Tag war der  23. Juni mit 25,8°. Die folgenden verregneten Tage führten zu einer schnellen Abkühlung. Der kälteste Tag war der 19. Juni mit 14,0°.

Ein Blick auf die Tagesmitteltemperatur im Vergleich zum CLINO von 15,8°.

Es gab eine lange Phase, die sich kühl anfühlte. Jedoch war die gefühlte Temperatur in etwa die Durchschnittstemperatur, die im Juni in Hannover zu erwarten ist. Die Abbildung veranschaulicht, warum der Monat in der Summe 1,9° zu warm war.

Wenn die Tagesmitteltemperatur mit täglichen Durchschnittswerten und Extremen verglichen wird, zeigt sich diese Aussage noch einmal.

Zu sehen sind die langjährigen Durchschnittswerte für zwei 30-jährige Perioden sowie Grenzwerte für extrem kühle und warme Tage.
Im Juni kommt es zu einer Erwärmung von 14-16° auf 16-18°. Nur die ersten sieben Tage und die Zeit vom 21. bis zum 24. Juni war von deutlich positiven Werten bestimmt. Nur der kühlste Tag (19. Juni) zeigte eine deutliche negative Abweichung.
Immerhin fünf Tage waren extrem warm und der wärmste Tag brachte sogar einen neuen Wärmerekord.

Der Juni zeigt im langjährigen Mittel die längste Sonnenscheindauer mit 208,0 Sonnenstunden . In diesem Jahr waren es "nur" 197,8 Stunden, entsprechend 95%.
Es gab 13 sonnige Tage, aber eben auch drei Tage mit weniger als einer Sonnenstunde.

Der Juni ist in Hannover nach den Klimanormalwerten, wie sie in einem Klimadiagramm dargestellt wird, der Monat mit den höchsten Monatsmittel der Niederschläge (Klimadiagramme Hannover). Der heftige Niederschlag wurde bereit einleitet genannt. Ein Monat mit drei Tagen, an denen mehr als 10 mm Niederschlag fallen ist ungewöhnlich. Am 1. waren es sogar 24,3 mm und am 25. Juni noch einmal 24,0 mm. Insgesamt fielen 106,6 mm, entsprechend 146% des langjährigen Mittelwerts.

Das ist der 6.-höchste Monatsniederschlag seit 1946 und der höchste Niederschlag der letzten 30 Jahre.
Es gibt einen Trend, dass die Monate April bis Juni trockener werden. Wie in der Abbildung zu sehen, hat der sehr nasse Juni 2016 diesen Hinweis auf einen regionalen Klimawandel nur geringfügig verändert.

Der heiße, sonnige 23. Juni brachte auch ein Windereignis. Es wurden Spitzenwerte von 20,4 m/s, entsprechend stürmischer Wind bzw. Windstärke 8 der Beaufort-Skala gemessen.

Alle Messwerte stammen wie jeden Monat vom Deutschen Wetterdienstes.
Berechnungen, Abbildungen und Vergleiche stammen vom Blogautor.
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Die folgenden Symbole führen jeweils zum genannten rückblickenden Monatsbericht:
2016
2015
2014
2013

2012

2011

2010

Der Jahresbericht 2009 ist hier zu finden und hier sind die Monatsberichte 2009:

Der Jahresbericht 2008 ist hier zu finden und hier sind die Monatsberichte 2008:

Neben diesen monatlichen Berichten habe ich bisher dreimal zum Klimawandel am Beispiel von Hannover gebloggt: 2007 schaute ich auf Monatswerte der 2000-er Jahre, 2013 untersuchte ich speziell den Monat April, der langfristig immer sonniger, trockener und wärmer wird, und nochmals 2013 in langen Zeitreihen den Temperaturanstieg seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Es gibt außerdem noch ein Blick auf das Wetter in Hannover im Jahre 2007, speziell den Sommer 2007. Es gibt einen langen Beitrag zum sehr kalten Winter 2009-2010 mit Vergleichen zu anderen Wintern, ein Vergleich zwischen den Winter 1985/86 und 2011/12 und aktueller zum langen Winter 2012-2013.
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Siehe auch die frühsten, noch sehr einfach gehaltenen Wetter-Darstellungen: