Dienstag, 16. Januar 2007

Sarasota Reise 3

Mein Reisetagebuch vom 26. Januar 2005
Der erste Schlaf dauerte nur knapp 5 Stunden bis die Aktivitäten in einem fremden Haus mich wieder weckten. Ich wachte auf und fühlte mich grauenhaft. Von dem überdrehten Schlafverzicht war ich noch nicht runter und so erwachte ich erschöpft. Das Frühstück bestand eigentlich nur aus einem Kaffee. Die beiden Senioren leben am Morgen nur von Kaffee.
Mir wurde nun das Haus und der Swimming Pool gezeigt. Hier sah ich erstmals das Riesenmoskitonetz. Der Pool und ein Meter darum sind von einem Käfig, der etwa drei Meter Höhe erreicht, umgeben. Die feines Struktur verhindert das Eindringen von Insekten, Eidechsen und Vögel. Der Pool hat noch nicht die richtige Temperatur. Bisher hat das Wasser an der Oberfläche erst 20 Grad.
Mit dem Mann ging es einmal rund ums Haus und schließlich auch auf das zugewachsene Nachbargrundstück. Der Vater meiner Gastgeberin hatte frühzeitig vier Plots erworben und das Nachbarhaus gehört den Erben auch und bringt ihnen Mieteinnahmen. Dort wirkt zur Zeit eine in den USA gerühmte Künstlerin (Maxine). Als Kunstbanause hatte ich natürlich noch nie von ihr gehört. Wir gingen rüber in ihre Werkstatt und sahen ihr über die Schulter, als sie drei Kunstschülern Unterricht erteilte.
Zurück auf dem eigentlichen Grundstück zeigte mir R. eine Vielzahl von subtropischen und tropischen Pflanzen, die auf dem großen Grundstück wachsen. Sie haben natürlich Orangen und Grapefruit, aber auch einen prächtigen Mangobaum.

Im Haus erbat ich mir Brot, doch dies musste erst einmal in der Mikrowelle aufgetaut werden. Meine Gastgeberin packt alles immer in den Gefrierschrank, da es nach ihren Angaben sonst in diesem Klima Schaden nehmen würde. Finde ich zwar übertrieben, aber was soll es.
Das Haus hat sehr viel Elektronik und natürlich läuft alles im Stand By. Doch ich bin nicht hier um zu predigen.

Zu dritt fuhren wir zur Tochter von E. und R.. E. hatte für mich arrangiert, dass ich von deren Haushalt ein Fahrrad ausleihen kann. Die Tochter führte uns in die Wohnung (?), was ein schwacher Name für das riesige Haus ist. Ihr Mann (übrigens mit einem B.A. in Geography and Urban Planning) ist Stadtplaner und Makler. Das Haus ist gefüllt mit Spielereien eines Architekten, d.h. es gibt verschiede Ebenen und entsprechend ist an einigen Stellen die Decke bis zu acht Meter über dir. Im Wohnbereich war die Deckenhöhe stets deutlich über vier Meter. Eine riesige Küche ist nur durch eine Theke vom Wohnbereich getrennt. Der Pool mit Jacuzzi liegt so, dass er einen unverstellten Blick auf den Kanal, der eine direkte Verbindung zum Golf von Mexiko hat, bietet. Es lag kein Boot am Anleger, aber es hätte mich auch nicht weiter gewundert. Alle drei Kinder sind mehr oder minder erfolgreich und verdienen reichlich Geld (doch dies schreibt ein Mensch, der noch nie!!! wirklich viel Geld verdient hat).
Ein 24er Fahrrad wurde verladen, breite Reifen viele Rostspuren und die Erklärung, dass dies ein Fahrzeug für den Strand ist.

Weiter ging es zu einen Supermarkt, der eine heftige Reizüberflutung bot. Ich war lange am Suchen, da einige Produkte sich an verschiedenen Stellen befinden. So genanntes Bio-Food und importierte Deli stehen separat von den anderen Waren. Die Preise sind sehr hoch. 3 Käsestücke, ein Labberbrot (das nennt sich Mehrkorn!), ein Sixpack Bier, Marmelade und Milch und dafür musste ich über dreissig Dollar zahlen. Selbst im Bioladen in Hannover hätte ich die Waren billiger bekommen. Mein Bargeld (immerhin über 600 Dollar) wird scheinbar nicht reichen und ich muss anfangen mit meiner Kreditkarte zu bezahlen. Für Kleinkram und Essen sind in zwei Tagen bereits mehr als 70 Dollar geflossen. Im Supermarkt hatte ich eine ähnliche Irritation wie bereits im Flughafen. Überall Bedienstete. Die Personen, die im Backbereich arbeiteten, dabei mehrere Personen die mit Sicherheit älter als 65 Jahre waren, würden in Deutschland einen ganzen Supermarkt bearbeiten. Überall lächelnde Arbeitskräfte. Die Packerinnen hinter jeder Kasse sind ja bekannt. Ach, der Supermarkt liegt übrigens auf dem Festland, auf der langgestreckten Insel gibt es keine Einrichtung mit einem umfassenden Angebot. Mein Lästerei zu überbreiten Amis lässt sich hier nicht wiederfinden. Seit Charlotte habe ich keine explodierten Menschen mehr gesehen. Vielleicht stimmt die Bemerkung, dass diese Extreme vermehrt nur in einzelnen Regionen und bestimmten sozialen Schichten anzutreffen sind. Auf der Rückfahrt nach Siesta Key hatten erste Gebäude einen Wiedererkennungswert, eine Mental Map baut sich langsam auf.
Cheddar, den ich bisher ausschließlich mit England verbunden habe, ist auch hier der Standard. Besserer Käse kommt nur von den Amish People, die in Sarasota eine grosse Siedlung haben.
Nach einen leichten, späten Mittag setzte ich mich erstmals an den Rechner und begann meinen ersten digitalen Rundbrief an Familie und Freunde. Ich war langsam und bekam Kopfschmerzen. Vielleicht war dies ein Teil vom Jetlag.

Zum Dinner ging es zurück zur Tochter, wo Lasagne und japanisches Bier auf uns bzw. im letzten Fall auf mich warteten. Auch der Ehemann hat eine deutsche Elternhälfte, spricht aber kein nennenswertes Deutsch. Mit ihn habe ich viel über Stadtplanung und deren Irrungen und Wirrungen geredet. Er nannte mehrere Beispiele wie Lobbyisten sinnvolle Pläne sabotierten, so dass trotz positiver Gutachten bestimmte Elemente sich nicht weiter entwickeln. Er war mal ein Öko, kann heute aber böse Geschichten hierzu erzählen, da es viele so-called Ökos gibt, die bei genauerer Untersuchung in Wirklichkeit Lobbyisten von Abfallbeseitigungsfirmen oder Energieerzeuger sind.
Gegen 22:00 Uhr waren wir wieder in der Av. de Mare und ich verzog mich auch zügig ins Bett. Mein Körper fühlte sich zwar nicht wie 4 Uhr morgens an, aber wie deutlich nach Mitternacht. Mal sehen, wann sich mein Körper um 10:00 wieder wie vor Mitternacht anfühlt.

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