Dienstag, 1. November 2011

Deutsch und Kiswahili

Aktuell gibt es nach aktuellen Schätzungen sieben Milliarden Menschen. 7.000.000.000. Damit ist die Weltbevölkerung in den letzten 20 Jahren um etwa zwei Milliarden angewachsen. In Europa gibt es keinen natürlichen Bevölkerungszuwachs mehr.
Das heute mehr Menschen in Deutschland leben als vor zwanzig Jahren ist ausschließlich ein Ergebnis der Migration (besonders der etwa 2 Millionen Spätaussiedler).

Als ich Mitte 1988 an der University of Dar es Salaam mein Studium mit einem Kiswahili-Intensivkurs aufnahm, gab es deutlich mehr Deutsch Sprechende auf der Welt als Kiswahili Sprechende. Es war eine exotische Sprache mit viel Potential.
In Tanzania ist sie Amtssprache und nur in der höheren Bildung wird offiziell Englisch verwendet. Kiswahili war damals bereits die Lingua franca (Verkehrssprache) im östlichen Afrika, also auch in Kenya und Teilen von Uganda, Rwanda, Burundi, dem damaligen Zaire, Malawi und Mozambique.
Den etwa 90-100 Millionen Deutsch Sprechenden (BRD, DDR, Österreich, Schweiz, Auslandsdeutsche, u.a.) standen Ende der 1980-er Jahre etwa 50 Millionen Kiswahili Sprechende gegeben über. Ich kann mich daran erinnern, dass es diplomatische Bemühungen gab Deutsch zu einer weiteren Amtssprache der UNO zu machen.
In Tanzania war Kiswahili bereits seit einer Generation Amtssprache und der Anteil der Menschen, die kein Kiswahili konnten, war gering. In Kenya war es bereits auch schon die Verkehrssprache, aber erst seit Anfang der 1990-er Jahre wurde es auch eine offizielle Amtssprache neben Englisch. In Uganda war die Sprache nur in der südlichen Hälfte Verkehrssprache und stand in Konkurrenz zu Luganda und Englisch. Seit 2005 wurde Kiswahili neben Englisch die Amtssprache. In Burundi und Rwanda war und ist Kiswahili eine der Sprachen für den Handel mit den Nachbarländern. Im ehemaligen Zaire war Kiswahili eine Sprache der östlichen Grenzregion zu Ostafrika, ist nun aber auch offiziell eine der Nationalsprachen, die in mehr als Drittel des Landes gesprochen wird. Im Norden von Mozambique und Malawi ist Kiswahili vor allem eine Handelssprache.
Bevölkerungswachstum und die Ausbreitung der Sprache durch staatliche Maßnahmen (Schulunterricht, Sprache der Polizei und Armee) oder durch Handel haben in zwanzig Jahren zu einer erheblichen Zunahme der Kiswahili Sprechenden geführt. Heute gibt es etwa 80 Millionen Kiswahili Sprechende und die Zahl der Deutsch Sprechenden nimmt langsam ab. Aufgrund des Bevölkerungswachstums wird Kiswahili in etwa einem Jahrzehnt bereits an Deutsch vorbeiziehen und es ist wahrscheinlicher, dass Kiswahili siebte UNO-Amtssprache wird als Deutsch.
Elimu haina mwisho 
(Bildung endet nie) 

Referenz: Aktuelle Bevölkerungsschätzungen der UNO

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