Mittwoch, 18. Februar 2015

Film: Jupiter Ascending 2015 in 3D

Jupiter Ascending
USA 2015
125 Minuten
Regie: Wachowski Geschwister

Viel zu viele Film-"Kritiken" sind nur verschleierte Werbung für einen Film. Die echte Kritik widmet sich dem Stil, dem Rhythmus und Flow der Handlung, der Überzeugungskraft der Akteure, etc.
Wie sollte in diesem Kontext ein Weltraummärchen gewürdigt werden. Die Wachowskis lieben Science Fiction (Matrix, V, Cloud Atlas) mit einer Botschaft.

Jupiter Ascending sollte nicht auf die beiden zentralen Botschaften, dass Zeit der wichtigste Rohstoff ist und das Kapitalismus grundböse sein kann, abgeklopft werden, sondern vor allem auf seinen Unterhaltungswert.

Es gibt viel an diesem Film zu kritisieren. Eine Space Opera wie Star Wars oder Star Trek hat lange Action Sequenzen. In Jupiter Ascending erscheint jede zu lang und kippt damit die Handlung ins Lächerliche.
Die voluminöse Musik von Michael Giacchino konkurriert in diesen Szenen mit dem Krach von Waffen und Zerstörung. Vielleicht ist die Überwältigung des Publikums gewünscht, doch der Lärm vor allem der Musik zehrt an den Nerven.
Dialoge des sich findenden Paars sind vielleicht nur in der deutschen Übersetzung mehrmals unfreiwillig komisch.
Erklärungen für Situationen außerhalb unserer Realität, seien es nun die schwebenden Schuhe oder das Bienenphänomen oder alles zur Genetik sind peinlich. In einem Weltraummärchen muss keine Pseudoerklärung mit Fachwörtern im falschen Kontext erfolgen. Es reicht, wenn das Publikum staunt und wir nur wissen, dass Bienen das Besondere in einer Person erkennen.
3D ist in diesem Film unnötig und hat nur die Produktionskosten unnötig erhöht. 3D ist hier nur ein Gimmick ohne das ein Mehrwert als Schauwert den Film aufwertet wie in Avatar oder Hobbit 3.

Kritik ist nicht grundsätzlich negativ und deshalb nun zum Lob. Es ist ein Weltraummärchen und selbst wenn Chicagos Skyline zu Beginn beschädigt wird, gibt es eine gute Erklärung, warum am nächsten Tag alles wieder erneuert ist und keiner sich an die Zerstörung erinnern kann. Was die Menschen nicht wissen wollen, vergessen sie!
Die reale Welt ist nur Hintergrund und alleine dadurch ist diese Geschichte besser als der Großteil des DC und Marvel-Trash mit seinen "normal" wirkenden Menschen mit Superkräften in einer US-Wirklichkeit.
Leider sind nur wenige Dialoge lustig, die dann aber wirklich. Ich sage nur "Ich liebe Hunde". Und dann die wunderbar lange Sequenz zum Thema Bürokratie. Hier wird Douglas Adams und sein Alptraum der Bürokratie in Form der Vogonen zitiert.
Die weiteren Zitate aus dem Schatz von Science Fiction Filmen sind eine einzige Freude und haben oftmals einen ironischen Twist.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass wenn der Film um 30 Minuten gekürzt würde, wäre er deutlich besser. Ich wurde gut unterhalten, aber Film bekommt nur 6 von 10 möglichen Punkten auf meiner Filmbewertungsskala.
Diese Großproduktion war an den deutschen Kinokassen trotz der aufwändigen Werbung nicht erfolgreich. Bis Ende März 2015 wurden 440.000 zahlende Besucher gezählt. (Quelle: Filmförderungsanstalt)

Sonntag, 15. Februar 2015

Jules Verne 1887 Der Weg nach Frankreich

Die Freunde der Romane und Erzählungen von Jules Verne wissen aus seiner Biographie und aus Bibliographien, dass einige seiner Werke nicht ins Deutsche übersetzt wurden.
Dies umfasste u. a. LE CHEMIN DE FRANCE aus dem Jahre 1887. Nun liegen gleich zwei Übersetzungen vor. Einmal die Übersetzung von Gudrun Hermle (Verlag Sven R. Schulz, Berlin 2012) und eine Gruppenübersetzung unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Junkerjürgen, die im ABLIT Verlag (München 2013) erschien. Die vollständige bibliographische Angabe findet sich am Ende dieses Beitrags.
Eine Gruppe von Studierenden aus Frankreich und Deutschland am Institut für Romanistik der UNI Regensburg schuf die deutsche Fassung unter der Leitung eines Übersetzers (Prof. Junkerjürgen) eines weiteren bisher nicht übersetzten Roman von Jules Verne. Eine der Übersetzerinnen informierte mich frühzeitig über das Projekt und so wurde mir durch Subskription sofort nach Drucklegung ein Exemplar zugeschickt.
Dies als Vorwort, doch ich möchte hier den Roman vorstellen.

Der Weg nach Frankreich schildert die Flucht einer kleinen Gruppe von Franzosen und Nachkommen von ausgewanderten Protestanten aus Frankreich von Belzig im preußischen Brandenburg ins nördliche Lothringen im Sommer 1792.
Es gibt oftmals einen Ich-Erzähler bei Jules Verne, doch hier ist es etwas besonders, da der Erzähler kein Gebildeter ist, sondern ein Sohn eines Bauern aus der Picardie, der erst im Alter von 31 Lesen und dann Schreiben lernte.
Es ist also eine bewusst einfache Sprache, die oftmals einen mündlichen Erzählstil folgt.
Wesentlich ist auch der sprachliche Hintergrund der Picardie mit seinen regional typischen Redensarten und Ausdrücken. Hier zeigt sich besonders gelungen die Gruppenübersetzung durch junge Menschen aus Frankreich und Deutschland. Die einen können die Redensarten und regionale Ausdrücke überhaupt als solche erkennen  und die zugrunde liegenden Bilder recherchieren, während die anderen Formulierungen und Bilder im Deutschen benennen, die dem entsprechen. Oftmals werden diese sprachlichen Besonderheiten durch Anführungszeichen betont und mit dem Zusatz "wie wir in der Picardie sagen" ergänzt. Dies betont noch stärker den mündlichen Erzählstil, da der Erzähler seine Geschichte für seine in ganz Frankreich beheimateten Freunde niederschreibt.
Erzählt wird die Geschichte von einem alten Mann von 66 Jahren, der von seinem 18. bis 54. Lebensjahr vom einfachen Soldaten bis zum Hauptmann aufstieg. Der Offiziersrang hing davon ab, dass man Lesen und Schreiben kann, weshalb die beginnende Alphabetisierung während der Handlung so eine große Bedeutung hat. Der Rückblick nach 35 Jahren bedeutet auch, dass der Erzähler den historischen Kontext der Konflikte und ihres Ausgangs kennt. Dieses Springen zwischen der Handlung und erläuternden historischen Rückblenden und Verweisen auf die Zukunft ist das dritte Merkmal dieses Erzählstils.
Das letzte Merkmal der Erzählung ist der sehr persönliche Ton, die dem Erzähler gegeben wurde. Dieser ist oftmals pathetisch und für einen modernen Leser nur dadurch zu ertragen, dass man sich in diesen Momenten an den gewählten Erzählstil erinnert.
Der Erzähler, seine ältere Schwester, ein älterer französischer Händler und seine erwachsene Tochter werden des Landes verwiesen, weil Preußen dem revolutionären Frankreich den Krieg erklärt hatte. Die preußische Regierung gab ihnen hierfür einen Pass, eine vorgegebene Route, die an jeden dort genannten Ort abgestempelt werden musste und ihnen dafür maximal 20 Tage zustand. Die Ausweisung wird zur Flucht auf der gleichen Route, als der deutsche Verlobte, der französischen Tochter und dessen Mutter sich ihnen anschließen. Der junge Mann war zum Militärdienst eingezogen wurden, hatte einen handfesten Streit mit einem Offizier und war nun als zum Tode verurteilter Deserteur auf der Flucht in das Land seiner Ahnen.
Als Widerpart gibt es zum einen den deutschen Offizier, der auch die junge Frau begehrte und Kopfgeldjägern. Da aus vielen östlichen Landesteilen Truppen und ihr Gefolge zur französischen Grenze ziehen, ist es ein wiederkehrendes Trennen und Wiederfinden zwischen den Ausgewiesenen und Flüchtenden auf der Route.
Der Pathos der Akteure zum Ende hin ist für einen modernen Leser gewöhnungsbedürftig.
Hier ist eine kleine Schwäche dieser Ausgabe. Neben den Originalillustrationen von Georges Roux wurden auch neue Zeichnungen angefertigt. Doch zum einen wurden die 35 Originale nicht in den Text eingefügt, sondern nur als Anhang geliefert und zum anderen wurden zwei Landkarten des Originals überhaupt nicht wiedergegeben. Eine oder mehrere, auch neu gezeichnete Karten würden manchmal das Lesen erleichtern, wo es jetzt nur Aufzählungen von Orten und Staaten des deutschen, politischen Flickenteppichs sind. Auch das Finale rund um den Argonnerwald würde durch eine klare Karte besser nachzuvollziehen sein. Die neu gefertigte Skizze mag zwar künstlerisch wertvoll sein, ist aber kartographisch unleserlich.
Der Roman erschließt die Person Jules Verne als französischen Patrioten, der durch die Ereignisse des Deutsch-Französischen Krieges 1870-71 seinen Widerwillen gegen die Deutschen, genauer die Preußen und ihr Verhalten zu Papier bringt. Diese anti-deutsche Tonfall ist es auch, der damals die deutschen Herausgeber in Wien und Berlin davon abhielt, diesen Roman in ihr deutsches Gesamtwerk von Jules Verne aufzunehmen. Es werden auch wirklich einige der üblen Eigenschaften des preußischen Militarismus und des deutschen Untertanengeistes dargestellt. Im Nachwort dieser Ausgabe schreibt der Verne-Biograph und -Übersetzer Volker Dehs (Ko-Herausgeber der Briefe zwischen J. Verne und seinen Herausgebern Hetzel sen. und jun.), dass der zeitgleich publizierte Roman Die fünfhundert Millionen der Begum, der den deutschen Militarismus anprangert, übersetzt wurde.
Es sollte mehr von diesen Kollektivübersetzungen mit Menschen aus der Originalsprache und dem Deutschen geben. Deutsche Lektoren machen gute Arbeit, aber dieser Ansatz ist sehr vielversprechend. Andere Kollektivübersetzungen mit regem Austausch im Team haben schließlich bereits einen hohen Standard definiert, wie in der Edgar A. Poe-Ausgabe von Hans Wollschläger und Arno Schmidt (und Anderen) und seinen publizieren Begleittexten zu sehen ist.

Jules Verne
Der Weg nach Frankreich
Gruppenübersetzung unter der Leitung von Ralf Junkerjürgen

Erschienen zusammen mit
Der Graf von Chanteleine
und einem Nachwort von Volker Dehs

Reihe Avventura Mediterranea Band 5
Ablit Verlag, München, 2013, S. 129-324 und 394-465.
ISBN: 978-3-935410-18-2

Samstag, 14. Februar 2015

LE MONDE diplomatique - Januar 2015


Der Januar ist vorbei, die monatliche deutsche Ausgabe der diplo ausgelesen und mit der neuen Februar-Ausgabe die vorherigen Texte auch kostenlos im Netz zu lesen.
Hier sind meine Leseempfehlungen und Zusammenfassungen, der Name des jeweiligen Journalisten führt direkt zum Artikel im Archiv der LE MONDE diplomatique:
  • Der Wissenschaftler Quentin Ravelli recherchierte über den französischen Pharmakonzern Sanofi. Er hat dafür dort auch ein Praktikum in der PR-Abteilung absolviert und in der Produktion in Rouen gearbeitet. Die Produktionsbedingungen widersprechen den öffentlich erklärten Ziel, etwas für die Gesundheit der Menschen zu tun. Wichtiger als, die Arbeiter, die die Pillen herstellen, sind die gut bezahlten Personen, die Mediziner manipulieren, mehr Präparate zu verschreiben. Er beschreibt, wie dieses Ziel erreicht wird und damit Sanofi zum viert-größten Pharmakonzern wurde.
  • Urbino mag eine Kleinstadt in Italien sein, aber der Soziologe Peter Kammerer von de dortigen Universität sieht die Stadt als ein Beispiel für gescheiterte Entwicklungsprozesse und wir die Gier nach neuen Projekten zur Modernisierung die Lebensqualität reduziert, wenn weder das Neue fertig gestellt noch das Alte in Stand gehalten wird.
  • Desmond King von der University of Oxford begründet die These, dass die Abgrenzung zwischen Schwarzen und Weißen in den USA seit der Zeit der Bürgerrechtsbewegung verschärft hat.
  • Aus Nigeria berichtet der Schriftsteller Elnathan John wie ein queerer Nigerianer zu einem Sündenbock für ein Bombenattentat wurde. Nigeria ist von Terror verschiedener Prägungen geplagt und die Regierung, die Polizei und Armee reagieren darauf hilflos oder mit Terror. Der Wunsch nach schneller Identifizierung der Täter führt dazu, dass Unschuldige getötet werden in Gegenschlägen oder eben unter Folter im Gefängnis. Das bei diesen staatlichen Aktionen besonders Menschen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, gefährdet sind, erklärt er mit der auch staatlich unterstützten Homophobie.
  • Der Politologe Rodrigue Nana Ngassam analysiert den Kampf gegen die Terrororganisation Boko Haram und warum diese erfolgreich große Territorien im Nordosten von Nigeria erobern konnten und Rückzuggebiete im Kamerun haben.
  • Baumwolle ist seit mehr als einem Jahrzehnt kein Naturprodukt mehr. Die Journalistin Annette Jensen beschreibt, dass weit mehr als Zweidrittel der weltweiten Produktion mit genmanipulierten Pflanzen erfolgt und etwa ein Zehntel aller Agrochemikalien für diese Pflanze verwendet werden. Da Baumwolle sehr viel Wasser braucht, werden auch noch 6% des jährlichen Wasserverbrauch auf dieses Konto. Die gesamten Produktion von Baumwollprodukten ist von Produktion, der Garnherstellung und der Textilherstellung von unmenschlichen Arbeitsbedingungen geprägt. Öko-Baumwolle ist möglich, aber der beschleunigte Wechsel der Mode, führt zu immer kürzerer Nutzzeiten des weit überwiegenden Teils aller Textilien, die nur mit Gen-Baumwolle zu niedrigen Preisen und hohen Gewinnmargen möglich ist.
  • Der VWL-Professor Marc Humbert von der UNI Rennes I berichtet über die Situation von Zuwanderern nach Japan. Wenn man die Koreaner nicht mit zählt sind weniger als 1% der Menschen in Japan Ausländer. Einbürgerung ist selten und selbst dann ist. man auch für die Verwaltung weiterhin ein Fremder. Japan erlebt radikal wie ein zunehmender Teil der Bevölkerung nicht mehr berufstätig ist und die Gesamtbevölkerungszahl bereits abnimmt. Die Regierungspolitik will keine Einwanderung.
  • Japanische Firmen haben in Indien Produktionsstätten für den indischen Markt errichtet. Eine Lohnspreizung zwischen monatlich umgerechnet 58 Euro und 350 Euro zwischen Grundlohn und Festangestellten hat bei Maruti-Suzuki zu Arbeitskämpfen geführt, berichtet die Journalistin Naike Desquesnes. Freie Gewerkschaften und Tarifverhandlungen waren nicht vorgesehen. Die Konsequenz des Streiks ist eine Lohnerhöhung auf monatlich 140 Euro und das die Arbeitskräfte nicht mehr aus dem Umland der Fabrik stammen und nach sieben Monaten durch neue Arbeitskräfte ausgetauscht werden. Das japanische Management versucht damit jede Solidarisierung unter den Arbeitern zu verhindern, da es genügend arbeitslose Bewerber gibt.
  • Die Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen ist ein großes Geschäft. Der Journalist Stefano Liberti erfuhr, dass Italiens Regierung in einem Jahr 700-800 Millionen Euro hierfür ausgibt. Keiner kontrolliert, ob die Tagessätze für einen Flüchtling, die an die jeweiligen Betreiber einer Unterkunft ausgezahlt werden, überhaupt für Flüchtlinge verwendet werden. Kriminelle Banden und hohen Beamten wird aktuell nachgewiesen, dass sie soviel Geld abzweigen, so dass Flüchtlingsbetreuung bereits ein attraktiveres Geschäft als der Drogenhandel sind.
  • Die falschen oder amüsanten Sätze, die der Google Übersetzer anbietet, sind Thema des Beitrags von Frederic Kaplan und Dana Kianfar. Referenzsprache für das Programm ist Englisch, d.h. wenn die Ausgangs- und Zielsprache nicht Englisch sind, erfolgt eine Doppelübersetzung über das Englische. Wenn es "aus Eimern schüttet", heißt es im Englischen "it rains cats and dogs" und daraus wird im Italienischen "Piove cani e gatti", was aber nicht Italienisch ist. Junge Menschen akzeptieren diesen Sprachimperialismus und es ist zu erwarten, dass dieses Pseudo-Italienisch in deren Sprache integriert wird, so wie das falsche "Sinn machen" (statt "Sinn ergeben") ins Deutsche übernommen wurde.

Hospitalismus

Wer kennt nicht die Zeilen von Rainer Maria Rilke?
"Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,"
(R.M. Rilke "Der Panther" 1903)
Den dort beschriebene Hospitalismus der Tiere, habe ich nun als Mensch erfahren. Nach mehreren Krankenhaustagen schlaffte die Muskulatur ab und ich begann mit Spaziergängen im Haus. Schnell war eine Route gefunden, wo wenig Hindernisse zu erwarten waren und die ging es dann immer wieder auf und ab.
"Sein Blick ist (...)
so müd geworden, dass er nichts mehr hält."
Es ist kein großes Krankenhaus und so hat diese Idealstrecke etwa 75 Meter Länge. Irgendwann ist jedes Schild gelesen, jeder Plan studiert und der Blick schaltet auf unendlich. Keiner schaut wirklich irritiert, wenn ich auf meiner Runde jede Minute auf dem Hinweg oder dem Rückweg wieder an ihm vorbeikomme. Viele Patienten haben ein ähnliches Bedürfnis und das Pflegeperson motiviert zu Spaziergängen.

Freitag, 13. Februar 2015

Hannover Wetter Januar 2015

Trotz kalter Episoden war der Januar 2015 in Hannover zu warm. Die Durchschnittstemperatur betrug 3,3° und damit war es 2,7° zu warm. Es regnete viel und die Sonne war nur selten zu sehen.
-Vergleiche die Berichte des Vormonats und des Folgemonats-
Die linke Skala zeigt die tägliche Höchst- und Tiefsttemperatur, die rechte Skala den täglichen Niederschlag und die Sonnenstunden. Alle Messwerte stammen vom Deutschen Wetterdienst.

An drei Tagen stieg die Temperatur über 10° und am 10. Januar wurde die Höchsttemperatur von 12,3° erreicht. Die tiefste Temperatur wurde am 21. Januar mit -5,1° registriert. Es gab einen Eistag und elf Frosttage. Im langjährigen Mittel (Klimanormalwerte) sind im Januar in Hannover 6 bis 7 Eistage und 15 bis 20 Frosttage zu erwarten. An 16 Tagen gab es Bodenfrost und am 21. Januar sank die Temperatur auf -8,1°.

Aus den verschiedenen täglichen Messwerten berechnet der DWD die Tagesmitteltemperatur

Dargestellt ist die Tagesmitteltemperatur (in rot) und der gleitende Durchschnitt über fünf Tage (in grün).
Bis über die Mitte des Monats war es deutlich zu warm. Dann kam eine kurze Winterepisode. Wärmster Tag war der 10. Januar mit 9,6° und der kälteste Tag der 21. Januar mit -2,3°.

Die täglichen Abweichungen von der langjährigen Monatsdurchschnittstemperatur von 0,6° sind in der nächsten Abbildung zu sehen.

Hier ist zu erkennen wie unbedeutend die Winterepisode war im Vergleich zur warmen ersten Monatshälfte.

In der vierten Abbildung wird die Tagesmitteltemperatur mit vier anderen Werten verglichen.
In grün und rot sind die täglichen 30-jährigen Durchschnittswerte der Jahre 1951-1980 und 1981-2010 dargestellt.

Erstmals wurden extrem warme bzw. extrem kalte Tage berechnet. Grundlage sind die Werte der Tagesmitteltemperatur der Jahre 1951-2010. Die wärmsten und kältesten sechs Werte wurden als Extreme definierte. die orange und hellblaue Linie markierten die Spannweite von 80% der Werte für jeden Tag. Im Januar 2015 gab es vier Tage mit extremen Temperaturen. Der 9., 10., 12. und 13. Januar waren extrem warm.

Der Winter 2014-2015 hat sich bisher nur in kurzen Episoden gezeigt.

Dargestellt ist der Klimanormalwert für die Monate November bis Februar und die gleitende Wochentemperatur. Es war zumeist Wetterlagen mit östlichen Winden, die kühle oder sogar kalte Luft nach Norddeutschland brachten, aber die negativen Abweichungen zum CLINO sind unbedeutend im Gegensatz zu den positiven Abweichungen, wenn stürmischer Wind aus westlichen Richtungen erwärmte Luft nach Norddeutschland trug. (Der Winterbericht befindet sich hier)

An 22 Tagen fielen insgesamt 57,3 mm Niederschlag. dies entspricht 110% des langjährigen Mittelwerts für den Januar.

An 16 Tagen zeigte sich die Sonne, doch nur zweimal für fünf oder mehr Stunden, was der Definition eines sonnigen Tages entsprechen würde. Im gesamten Monat waren es nur 26,7 Sonnenstunden oder 64% des langjährigen Mittelwerts.

Es gab viele Windereignisse. An neun Tagen blies der Wind mit Stärke 8, stürmischer Wind. An drei Tagen erreichte der Wind Sturmstärke (Windstärke 9) und am 10. Januar war es sogar ein schwerer Sturm mit Spitzenwerten von 24,7 m/s. Dies entspricht Windstärke 10 der Beaufort-Skala.

Alle Messwerte stammen wie jeden Monat vom Deutschen Wetterdienstes.
Berechnungen, Abbildungen und Vergleiche stammen vom Blogautor.

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Die folgenden Symbole führen jeweils direkt zum genannten Monatsbericht:
2016
2015
2014
2013

2012

2011

2010

Der Jahresbericht 2009 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2009:

Der Jahresbericht 2008 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2008:

Neben diesen monatlichen Berichten habe ich bisher dreimal zum Klimawandel am Beispiel von Hannover gebloggt: 2007 schaute ich auf Monatswerte der 2000-er Jahre, 2013 untersuchte ich speziell den Monat April, der langfristig immer sonniger, trockener und wärmer wird, und nochmals 2013 in langen Zeitreihen den Temperaturanstieg seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Es gibt außerdem einen langen Beitrag zum sehr kalten Winter 2009-2010 mit Vergleichen zu anderen Wintern, ein Vergleich zwischen den Winter 1985-1986 und 2011-2012 und aktueller zum langen Winter 2012-2013.
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Siehe auch die frühsten, noch sehr einfach gehaltenen Wetter-Darstellungen: